Medieninformation des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Bodenseekreis
Im Juni hat der LEV Bodenseekreis die anderen Landschaftserhaltungsverbände im Land sowie der Nachbarn aus dem bayerischen Allgäu zu einer ganztägigen Fachexkursion in den östlichen Bodenseekreis eingeladen. Schwerpunktthema waren der Artenschutz im Zusammenhang mit der Umsetzung von NATURA 2000, also Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für Arten und Lebensräume der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). „Weil wir im Bodenseekreis mehr Artenschutzmaßnahmen für FFH-Arten machen als viele andere LEV, wollte ich diese gerne als Anregung in der Praxis zeigen“, erläutert LEV-Geschäftsführer und Exkursionsleiter Daniel Doer.
Schutz von Fließgewässerarten am Kammerweiher und Wielandsbach (Tettnang)
Am Kammerweiher zwischen Hilpolts- und Oberwolfertsweiler ging es zunächst um den Artenschutz von Fließgewässerarten . Vor Ort informierte Dr. Holger Hunger vom Büro INULA (Freiburg) über die gemeinsamen Aktivitäten. So wurden die Lebensraumansprüche der geschützten Libellenart Helm-Azurjungfer vorgestellt. Diese und weitere seltene Arten wie Bachmuschel und Steinkrebs sind gefährdet, wenn die Gewässerunterhaltung nicht fachgerecht durchgeführt wird. Darüber informiert ein entsprechendes Faltblatt, das in diesem Rahmen vorgestellt wurde und gemeinsam mit Experten und Grafikern attraktiv gestaltet worden ist. Hier werden Tipps und Hinweise zur artenschonenden Gewässerunterhaltung gegeben.
Im Anschluss ging es zu Fuß zum Wielandsbach oberhalb vom See. Dort wurden ein Bachmuschelprojekt im weiteren Verlauf des Baches sowie ein geplantes Moorschutzprojekt in der Wielandsbachniederung vorgestellt.
Anspruchsvoller Goldener Scheckenfalter am Degersee (Tettnang)
Auf einer Pfeifengras-Streuwiese am Nordostufer des Degersees kommt der anspruchsvolle Goldene Scheckenfalter vor, dessen Raupen ausschließlich an einer Pflanzenart, dem Teufels-Abbiss, fressen. Um die Streuwiese passend für die Lebensraumansprüche des geschützten Schmetterlings zu pflegen, muss sie einmal im Jahr möglichst spät gemäht werden. Gleichzeitig kümmert sich der Naturschutz darum, dass unerwünschte Konkurrenzpflanzen des Teufels-Abbisses nicht überhand nehmen. Invasive Arten wie die aus Amerika stammende Späte Goldrute verdrängen dabei heimische Arten und erschweren den Schutz solcher hochwertiger Ökosysteme. Landschaftspfleger Thomas Müller aus dem benachbarten Lindau ist seit vielen Jahren engagierter Partner des LEV und sagt: „In den 80er Jahren haben wir unsere Eigentumsfläche am Degersee in das Vertragsnaturschutzprogramm aufgenommen. Das war der Startpunkt unseres Landschaftspflegeengagements“, und präsentiert einen Teil seines spezialisierten Maschinenparks. „Für das Zurückdrängen der Goldrute haben wir mittlerweile das vorherige Verfahren verfeinert, in dem wir ein bis zweimal im Frühjahr/Sommer die reinen Goldrutenbestände vor der Blüte mit einem Mulchaufsatz auf dem Freischneider oder am Einachsmäher mähen“, fährt Landschaftspfleger Müller fort. Damit werden die Goldrutenbereiche dann zusammen mit der flächigen Herbstmahd bis zu drei Mal gemäht, was die Art nicht gut verträgt und zurückgeht.
Amphibienschutz- und Biotopverbundmaßnahmen am Tunauer Strand (Kressbronn)
Am Nachmittag ging es zu Streuwiesen-Entwicklungsflächen und Kleingewässern für Amphibien am Tunauer Strand in Kressbronn. Gleichzeitig war die zukünftige Umsetzung von Biotopverbundmaßnahmen Thema, da der Biotopverbundplan in Kressbronn als erster im Bodenseekreis abgeschlossen wurde. Dazu gehören viele Einzelmaßnahmen, die der Schaffung von sogenannten „Trittsteinen“ oder neuen Kernflächen dienen, wie Biotopverbundbotschafter Thomas Ueber erläuterte.
Dazu gehören auch Maßnahmen zum Schutz von Gelbbauchunke und Kammmolch. Beide Arten haben bei dauerhaft Wasser führenden Gewässern das Problem, dass mit der Ansiedlung von Beutegreifern wie Fischen oder großen Libellenlarven die Fortpflanzung nicht gelingen kann, weil die Unken-Kaulquappen bzw. Molch-Larven gefressen werden. Am Bodenseeufer haben wir aber die besondere Situation, dass Kleingewässer, die mit dem Bodensee-Wasserstand in Verbindung stehen, im Winter regelmäßig trocken fallen und erst mit steigenden Bodenseepegel und ab dem mittleren Hochwasser im Frühjahr Wasser führen, passend zur Laichzeit der Amphibien und ohne Räuber. „In diesem Jahr haben wir aber die außergewöhnliche Situation, dass die Kleingewässer am Tunauer Strand zum zweiten Mal in Folge ganz ohne Wasser sein werden“, erläutert der LEV-Zuständige Daniel Doer und fährt fort: „Leider werden wir das in Zeiten des Klimawandels immer öfter erleben müssen“. In einem anderen Teil des Gebiets mit Restwasser konnten sich die Anwesenden zum Schluss noch über die Beobachtung ausgewachsener Gelbbauchunken freuen.
So nahmen die Teilnehmenden aus Baden-Württemberg und Bayern viele neue Eindrücke und Informationen mit auf den Heimweg.
Bildinfo, links: Dr. Holger Hunger, Artenschutzprogramm-Bearbeiter Libellen (rechts), und Daniel Doer (LEV-Geschäftsführer) erläutern den Artenschutz für Helm-Azurjungfer und Co. an einem Graben am Kammerweiher. Bildinfo, rechts: Eine junge Gelbbauchunke konnte bei der LEV-Jahresexkursion am Tunauer Strand gezeigt werden. Fotos: J. Seif, LEV Bodenseekreis.
Quelle: Bodenseekreis: Aktuelle Meldungen